Geplante B111 Bahn-und Straßenüberführung sorgt aktuell für rege Diskussionen

Zukunftsfokus statt Tunnelblick

Hermagor – Die Lösung für den nach Hermagor einfließenden Verkehr auf Straße und Schiene und die geplante B111-Bahn- und Straßenüberführung sorgt aktuell für rege Diskussionen und weckt Emotionen.

Aufnahme Hermagor Ost© KK

Um zu verstehen, warum gerade diese Lösung die realistischste aller Varianten ist, muss der Blick auf den jahrelangen Planungs- und Entscheidungsprozess gerichtet werden. Und das unter Betrachtung aller Faktoren, die das Gesamtbild ausmachen, die bei Entscheidungen maßgeblich sind.

Dichte Thematik – Daten und Fakten

Die Stadtgemeinde Hermagor hat mit dem Gailtal Journal alle Daten und Fakten zusammengefasst, um die dichte Thematik abzubilden. Bgm. Siegfried Ronacher eingangs zur Kritik, dass vorab wenige Informationen an die Öffentlichkeit gingen: „Es dient niemandem, während der Planungs- und Evaluierungsphase Infos hinauszugeben, die nur zu Spekulationen, vorschneller Meinungsbildung und oberflächlicher Sachkenntnis führen. Schon gar nicht bei einem so komplexen Projekt. Ich möchte aber festhalten, dass die Stadtregierungsmitglieder aller Fraktionen bei den Sitzungen und Besprechungen mit diesem Punkt auf der Agenda – egal ob im Stadtrat, Ausschuss oder Arbeitskreis – teilgenommen haben und eingebunden waren. Und das waren seit 2010 über 30 Termine. Ein diesbezüglich zitierter ‚Informationsnotstand‘ wundert mich sehr.“

Bgm. Siegfried Ronacher

 Aspekt Gewerbepark

Damit Hermagor für Betriebe – aktuell sind es 817 – zukünftig attraktiver Firmenstandort bleibt und zusätzliche Flächen anbieten kann, ist ein Gewerbepark im Burgermoos notwendig. Rund zehn Hektar stünden dann für Firmen bereit, die in den kleineren Gemeinden des Bezirks keine entsprechenden Flächen finden. „Dabei gibt es keine Widmung für Einkaufszentren, nur produzierendes Gewerbe wird zugelassen“, betont Ronacher. „Nur wenn sich weiterhin Firmen niederlassen, sind alle drei Faktoren, die die Abwanderung verhindern und eine funktionierende Wirtschaft ermöglichen, erfüllt: Arbeit – Wohnen – Mobilität. Bei Wohnen und Mobilität haben wir viele unserer Ziele erreicht. Nun kämpfen wir für Arbeitsplätze. Schon die aktuelle Situation sollte uns motivieren, denn: Wir haben eine niedrige Arbeitslosenquote und wenig Auspendler. Den Prognosen nach wird Hermagor als Bezirk Einwohner verlieren, die Stadtgemeinde selbst aber wachsen“, so Ronacher.

Aspekt Hochwasserschutz

Um das Burgermoos hochwasserfrei zu halten und somit für Ansiedler und Landwirte sicher zu machen, sind entsprechende Maßnahmen nötig. Und auch hier fließen mehrere Bausteine zusammen, die nur zusammen ein großes Ganzes ergeben. Dabei sitzen die Gemeinden Hermagor und Gitschtal gemeinsam im Boot, 13 Millionen. Euro werden investiert. Die Gössering wird in beiden Gemeinden durch umfangreiche Bautätigkeiten hochwassersicher gestaltet. Ein Rückhaltebecken westlich von St. Lorenzen und der Bau von Mauer- und Dammerhöhungen in beiden Gemeinden werden die Bevölkerung, Orte und Flächen vor Hochwasser schützen und die bessere Bebaubarkeit der Gewerbeflächen im Burgermoos gewährleisten. Zudem sollen beim geplanten Überführungsprojekt auch Verbauungsmaßnahmen beim Prießeneggerbach erfolgen, der neu verrohrt und geordnet ins Burgermoos abgeleitet wird. Dadurch wären laufend auftretende Hochwässer im Bereich OMV-Tankstelle und Überflutungen der Gailtalstraße Geschichte.

Aspekt Verkehrslösung

Damit Fahrzeuge ab acht bzw. zwölf Metern Länge (Schwerverkehr) in das Burgermoos gelangen, ist eine entsprechende Verkehrsanbindung nötig. Die bereits dort angesiedelten Betriebe kämpfen mit den Straßen- und Bahnkreuzungen bei der Gailtalstraße in Untervellach und auf Höhe OMV. Abbiegende LKWs rangieren schwer, verursachen Staus bei hohem Verkehrsaufkommen, hinzu kommt das erhöhte Unfallrisiko. Bereits 2009 wurden Überlegungen dazu angestellt, 2010 begann man mit Arbeitssitzungen zu den Themen Ortseinfahrt, Gewerbeflächen, Verkehrslenkung, Grundverhandlungen, Gespräche über eine interkommunale Wirtschaftsregion etc. Das Ingenieurbüro Leder aus Feistritz/Drau wurde mit einer straßenbautechnischen Machbarkeitsstudie beauftragt, am 1. Juli 2011 wurde das Projekt erstmals präsentiert. Aus der Studie gingen sechs Varianten hervor, bei denen von Ampellösungen, über Unter- und Überführungen bis hin zum Heben der Bahnschienen alles enthalten war. Nach zahlreichen Terminen von Entscheidungsträgern der Stadt und den involvierten Experten „haben wir in der Stadtpolitik 2012 leider eingesehen, dass keine der Varianten bezahlbar ist und es unmöglich ist, zukünftige Grundeigentümer mit einem Aufschließungsvertrag einzubinden“, schildert Siegfried Ronacher.

Brücken bauen

Mit dem Vorhaben der ÖBB, die Gailtalbahn zu elektrifizieren, um auch sie dem kärntenweiten Bahnnetz-Standard und dazugehörigen Triebfahrzeugen anzupassen, hat sich das Blatt 2016 dann gewendet. Im Auftrag der ÖBB wurden durch das Ingenieurbüro Leder zusätzliche Trassenuntersuchungen ausgearbeitet und am 13. Oktober 2016 den Stadtratsfraktionen und den Verantwortlichen der ÖBB präsentiert. Nach Prüfung der Varianten hat die ÖBB die Überfuhrvariante als machbare und finanzierbare Lösung gewählt. Die geschätzten Kosten belaufen sich dabei auf 4,5 bis 5 Mio. Euro. „Sollte die geplante Überführung nicht kommen, ist der Schwerverkehr gezwungen, weiterhin durch die Innenstadt nach Hermagor bzw. durch Untervellach und entlang des Pressegger Sees durch die Wohn- und Tourismusgebiete zu fahren“, gibt Ronacher zu bedenken.

 

Nulloption Bahnhofsverlegung

„Die von manchen Meinungsbildnern angesprochene Option, den Bahnhof stadtauswärts zu verlegen, ist aus mehrfacher Hinsicht unrealistisch. Erstens wegen den Kosten (geschätzt ca. 80 Mio. Euro), zweitens wegen des langen Fußwegs in die Stadt. Außerdem wäre eine sichere Bahnüberquerung trotzdem nötig, denn: Die Firma Hasslacher ist aus wirtschaftlichen Gründen auf das Anschlussgleis angewiesen und hat rund eine halbe Million Euro dafür investiert. Und selbst wenn aktuell kein Zug zwischen Hermagor und Kötschach-Mauthen fährt, muss man wissen: Die Lizenz für die Bahnstrecke gilt bis auf weiteres von Arnoldstein bis Kötschach-Mauthen, sie muss also erhalten bleiben um im Anlassfall in Betrieb genommen werden zu können“, erklärt der Bürgermeister.

Umbaumaßnahmen im Zuge der Elektrifizierung

Neben der Überführung wurde bereits Mitte Juni der Spatenstich für die Elektrifizierung der Eisenbahn gesetzt. Zahlreiche Neuerungen und Umbaumaßnahmen stehen am Programm.  Der Bahnhof und Haltestellen werden mit barrierefrei zugänglichen Bahnsteigen ausgestattet. Zudem werden alle Haltepunkte mit Park&Ride sowie Bike&Ride Plätzen ausgestattet. Zur Erklärung: Parken und Reisen in Einem. Ein Parkplatz mit direktem Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr. Durch zusätzliche Umstrukturierungsmaßnahmen und Verlegung der derzeitigen Güterverladestelle können rund 80 Parkplätze für PKWs und Busse geschaffen werden. Ladestellen für Elektrofahrzeuge runden die Neuerungen zeitgemäß ab. Somit entsteht ein neuer moderner Busknotenbahnhof.

Weg Richtung Zukunft

An den besagten Gewerbeflächen, Bahn- und Straßenkreuzungen haben sich über die Jahre schon zahlreiche Geister geschieden. Nun ist es Zeit, eine gemeinsame Linie zu finden, damit Hermagors Zukunft keine Schranken im Weg stehen. Die Umsetzung dieses Projekts ist von der Zustimmung der Grundeigentümer abhängig.

Aus der Sicht des Waldbesitzers

„Ich möchte einer weiteren wirtschaftlichen Entwicklung der Stadtgemeinde Hermagor-Pressegger See nicht im Weg stehen. Jedoch sollten unsere forstwirtschaftlichen Flächen weiterhin bewirtschaftet werden können“, so ÖR Hans Novak, vlg. Götzinger.

Rudi Stöffler, Inhaber der Getränke Stöffler GmbH

„Für mich als Inhaber eines Gewerbebetriebes im Burger Moos spielt die Überführung eine wesentliche Rolle und ist dringend notwendig, sozusagen eine Lebensader. Derzeit erhalte ich täglich zwei Lieferungen mittels eines Sattelschleppers, die gezwungen sind, aufgrund der gültigen Eisenbahnkreuzungsverordnungen, die schweren Zugmaschinen durch die kleinen Ortschaften zu lenken. In Gegenden, die stark vom Tourismus geprägt sind, wie beispielsweise beim Pressegger See, sicher störend.“

Dipl. Ing. Michael Wagner. ÖBB-Infrastruktur AG Bauarbeitenkoordination

„Als Vertreter der ÖBB ist dieses Mobilitätsprojekt für die Gailtalstrecke eine bedeutende Lösung um Hermagor an den internationalen Schienenverkehr anzubinden“, erklärt Projektleiter DI Michael Wagner. „Die ÖBB stellen das Thema Sicherheit in den Vordergrund und es ist daher unabdinglich dieses Projekt zu realisieren. Für die Stadtgemeinde Hermagor-Pressegger See entsteht dadurch eine Aufwertung des Wirtschaftsstandorts.“

 



Autor: GTO Redaktion
Verfasst am: 3. Oktober 2018 um 13:20
Aufnahme Hermagor Ost© KK
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